Was für eine Horrorstory: im August 2021 kündigte die „Konrad Harbeke oHG“ unserer Kollegin Melissa fristlos die Wohnung. Sie und ihre Kinder sollten innerhalb von drei Wochen auf der Straße landen. Der Grund: das Jobcenter hatte die Miete nicht rechzteitig überwiesen, sodass Mietschulden entstanden waren.

Melissa kratze all ihr Geld zusammen um die Mietrückstände zu tilgen. Damit konnte sie die fristlose Kündigung „heilen“, eine fristgerechte Kündigung blieb jedoch. Da Melissa bereits seit 23 Jahren in der Wohnung lebte, betrug ihre Kündigungsfrist 9 Monate. Die Aussicht ihr bekanntes Lebensumfeld zu verlieren – den Ort wo auch ihre Kinder in Kita und Schule gehen – brachte ihr dennoch schlaflose Nächte.

Auf einer Kundgebung gegen Mietenwahnsinn in Mülheim kam sie mit dem Solidaritätsnetzwerk in Kontakt. Als Selbstorganisation von Mieter:innen und Arbeiter:innen nahmen wir sie in unsere Reihen auf und unterstützten Melissa seit dem. Auf einen ersten Brief von uns reagierte der Vermeieter ebenso wenig wie auf einen zweiten.

Nun rückte ein erster Prozess näher. Hier sollte geklärt werden, ob die Kündigung überhaupt richtig zugestellt wurde. Als Solidaritätsnetzwerk riefen wir zu einer aktiven Prozessbegleitung auf. Bei einer Kundgebung vor dem Amtsgericht machten wir deutlich: Melissa ist nicht alleine!

Zugleich unterstrichen wir, dass ihr Fall kein Einzelfall ist. Solange Wohnraum in Privathand liegt um damit Profit zu erwirtschaften, werden Menschen auf die Straße gesetzt werden – aus welchen Gründen auch immer sie ihre Miete nicht zahlen können. Dagegen hilft nur eins: Solidarität! Und wie dies geholfen hat konnten wir im Gericht sehen:

Nachdem es zu Beginn eine kurze Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Kündigung gab lenkte der Richter erstaunlich schnell die Verhandlungen auf eine „gütliche Einigung“. Er schlug dem Vermieter-Anwalt vor, die Kündigung zurückzuziehen, wenn Melissa dessen Anwaltskosten trage – und dieser akzeptierte! Dies war durchaus ungewöhnlich, immerhin hatte „Konrad Harbeke oHG“ bisher jegliche Gespräche von Melissa, oder des Solidaritätsnetzwerk abgeblockt und sein Anwalt war schriftlich in Konfrontation gegangen.

Wollte es der Anwalt dann doch nicht auf einen Prozess ankommen lassen? Oder war es dann doch zu viel Unsicherheit, ob unsere angekündigte Kampagne „Harbeke den Stecker ziehen“ dem Elektrogeschäft, mit welchem der Vermieter große Profite macht, das Weihnachtsgeschäft vermiesen könnte?

So oder so: Melissa hat ihre Würde auf der Kundgebung und vor Gericht verteidigt! Wir konnten sehen: Widerstand lohnt sich!

Du hast auch Stress mit Vermieter, Jobcenter, Chef oder willst dich einfach gegen soziale Ungerechtigkeit engagieren? Mach mit beim Solidaritätsnetzwerk! Du bist nicht allein!

Melissas und unseren Sieg werden wir bei unserer 5-Jahre-Soli-Netz-Feier am 17.12 ab 17:00 Uhr in der Kalk-Mülheimer-Str. 124 feiern! Seid mit dabei.