Als Kölner Solidaritätsnetzwerk organisierten wir diesen Herbst mehrere Demonstrationen, Kundgebungen und Treffen. Ziel war es dabei stets, unseren Widerstand gegen den Völkermord an den Palästinenser:innen auf die Straße zu tragen, mit Menschen in Vingst ins Gespräch zu kommen und politische Handlungsmöglichkeiten herauszuarbeiten.
Im folgenden Bericht möchten wir unsere Palästina-Arbeit vorstellen, die wir als Solidaritätsnetzwerk Köln diesen Herbst geleistet haben. Zunächst folgt eine kurze Einschätzung der Situation in Westasien und unsere Haltung als sozialistische Stadtteilorganisation.
Vingst ist ein Stadtteil, der stark migrantisch geprägt ist. Unter vielen Migrant:innen ist die Solidarität mit Palästina nach wie vor sehr groß, wie wir in zahlreichen Gesprächen auf der Straße und bei verschiedenen Kundgebungen feststellen konnten. Doch wie konkret Widerstand gegen das Töten in Gaza geleistet werden kann, ist für viele unklar und schwer zu beantworten. Daher suchten wir den Dialog mit den Menschen und erarbeiteten gemeinsam Antworten auf die Frage: Wie können wir im Viertel aktiv werden und klassenkämpferisch auf den Genozid in Gaza reagieren? Wichtig war uns dabei, den Kampf um Palästina mit dem Widerstand gegen den deutschen Imperialismus und den Klassenkampf zu verbinden.
Der israelische Staat dient als imperialistisches Projekt westlicher Mächte, insbesondere der USA, und sorgt für geostrategischen Einfluss in Westasien. Frieden ist in dieser Konstellation nicht möglich. Zudem wird Israel durch die deutsche Bundesregierung und Rüstungskonzerne aktiv unterstützt – finanziell, politisch und durch Waffenlieferungen. Daher darf der Widerstand nicht nur auf Gaza fokussiert sein, sondern muss sich auch gegen die Akteure hier richten, die den Krieg ermöglichen.
Gerade in Stadtteilen wie Vingst können Solidarität und Klassenkampf Hand in Hand gehen, um Unterdrückung und Ausbeutung entgegenzutreten.
Eine wichtige Rolle spielten unsere Soli-Netz-Tage. Jeden Dienstag machen wir entweder ein offenes Treffen oder sind im Stadtteil unterwegs, um mit unseren Nachbar:innen zu sprechen. Hier verteilten wir Flyer zu unseren politischen Veranstaltungen und Info-Material über den Genozid in Gaza. Dabei kamen wir mit vielen Bewohner:innen von Vingst ins Gespräch. Es war spürbar, dass die Menschen im Viertel der israelnahen Propaganda der Medien nicht auf den Leim gingen. Die Menschen, mit denen wir sprachen, hatten ein klares Bewusstsein für das Leid der palästinensischen Bevölkerung und tauschten sich gerne mit uns aus.
Im folgenden möchten wir weitere Aktionen kurz zusammenfassen:
24. September – Demonstration gegen Repressionen:
Bei Personen, die im Solidaritätsnetzwerk Augsburg aktiv sind, gab es morgens eine Hausdurchsuchung durch die Polizei. Der vorgeschobene Grund war ein laminierter Aushang, der in neunfacher Ausführung im Viertel angebracht worden war. Auf diese extremen Repressionen gegen palästinasolidarische Arbeit, reagierten wir noch am selben Tag mit einer kämpferischen Demonstration in Kalk. Die Menschen auf der Straße waren mitgerissen, und einige schlossen sich der Demonstration an.
1. Oktober – Spontane Kundgebung in Vingst:
Anlass für die Kundgebung waren die israelischen Angriffe auf den Libanon, bei denen zahlreiche Zivilist:innen ermordet wurden. Wir konnten spontan auf diese schreckliche Nachricht reagieren, unsere Empörung auf die Straße tragen und uns mit vielen Menschen in Vingst austauschen. Es gelang uns, unserem Anspruch gerecht zu werden, im Stadtteil zusammenzukommen, um Solidarität und Widerstand zu organisieren – anstatt die Horrormeldungen, die uns seit über einem Jahr täglich erreichen, jede:r für sich allein zu verarbeiten.
5. Oktober – Erste Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Solidarische Runde“:
Im Oktober setzten wir uns mit der internationalen Kriegstreiberei und der Rolle des deutschen Staates auseinander. Zur „Solidarischen Runde“ treffen wir uns immer am ersten Samstag des Monats im Internationalen Zentrum in Vingst (Homarstraße 64) um 19 Uhr. Gemeinsam diskutieren wir über die politische Lage und Möglichkeiten, etwas zu verändern.
9. Oktober – Kundgebung in Vingst:
Genau ein Jahr zuvor begann die Blockade von Gaza, mit der der Bevölkerung lebenswichtige Güter verwehrt wurden. Gleichzeitig kam es zu einer massiven Bombardierung des Gebiets, die Ende Oktober 2023 in die israelische Bodenoffensive mündete. Aus diesen Gründen waren wir, unter anderem mit dem Frauenkollektiv und der Internationalen Jugend aus Köln, auf der Straße und hielten Reden über die politische Lage in Palästina.
12. Oktober – Großdemonstration zu Palästina:
Wir beteiligten uns an einer großen Demonstration, die am Neumarkt startete und sich dann entlang der Venloer Straße bewegte. Wir verteilten viel informatives Material zum Thema und konnten unsere klassenkämpferische Haltung lautstark zum Ausdruck bringen.
22. Oktober – Wandzeitung zum Thema Palästina:
Wir erstellten eine Wandzeitung und verteilten sie in unserem Viertel. Außerdem mobilisierten wir für die Demonstration am 27. Oktober.
27. Oktober – Kämpferische Demonstration mit über 100 Teilnehmer:innen:
Ziel war es, ein Jahr nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen unseren Widerstand gegen den Völkermord in Palästina auf die Straßen Mülheims zu tragen. Dies gelang, da verschiedene Organisationen wie die FKO, das Palästina-Camp Köln, die MLPD, Young Struggle und Zora in Redebeiträgen unter anderem auf die Rolle des deutschen Staates in diesem Genozid aufmerksam machten. Der Demonstrationszug trat insgesamt lautstark und kämpferisch auf.
2. November – Solidarische Runde zum Thema Palästina:
Das Thema der zweiten Ausgabe der „Solidarischen Runde“ im November lautete: „Palästina-Solidarität und Klassenkampf!“ Ziel war es vor allem, über die aktuelle politische Lage zu diskutieren und Wege zu finden, um in unserem Stadtteil aktiv zu werden. Nach einem Input und einer lebendigen Diskussionsrunde aßen wir gemeinsam Chili sin Carne und ließen den Abend gemeinsam ausklingen.
Die nächste „Solidarische Runde“ findet am Samstag, den 7. Dezember, um 19 Uhr im Internationalen Zentrum (Homarstraße 64) statt. Dort werden wir über den aktuellen Aufstieg des Faschismus und dessen Auswirkungen auf die Lage von Frauen diskutieren. Kommt gerne vorbei!