[Berlin] Femizid im Fennpfuhl, wir schweigen nicht!

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Eine weitere Schwester wurde durch die extremste Form patriarchaler Gewalt, einen Femizid, aus unserer Nachbarschaft gerissen.


04.12.24 Lichtenberg, Ortsteil Fennpfuhl eine Frau (56) liegt tot in einem Blumenbeet in der Bernhard-Bästlein-Straße. Sie wurde aus dem 9. Stock eines Wohnhauses gestoßen. Ihre Hände seien mit Klebeband gefesselt gewesen, berichten Nachbar:innen.1


Femizide sind Tötungen von Frauen weil sie Frauen sind. Sie können von Partnern, Ex-Partnern, männlichen Familienangehörigen oder Fremden begangen werden. Es handelt sich dabei nicht um bedauerliche Einzelfälle, wie einige Journalist:innen oder Politiker:innen uns weiß machen wollen. Sie tragen strukturellen Charakter und sind der finale Akt patriarchaler Unterdrückung der Frau im Kapitalismus. Die traurige Realität in der BRD: statistisch wird täglich ein Femizid verübt.


Einen Tag später haben sich einige Menschen in der Bernhard-Bästlein-Straße versammelt, um gemeinsam der Getöteten zu gedenken. Die Anwesenden haben ihre Gedanken über den Verlust einer weiteren Schwester miteinander geteilt, um mit ihrer Trauer nicht allein zu sein. Kerzen wurden angezündet und Blumen an der Fundstelle der Leiche niedergelegt.

Von Trauer zu Wut zu Widerstand


Aber es blieb nicht beim gemeinsamen Trauern. Eine Frau äußerte den Wunsch aktiv zu werden und etwas gegen patriarchale Gewalt zu tun. Es wurde vorgeschlagen vor Flugblätter zu verteilen, um auf patriarchale Gewalt aufmerksam zu machen oder einen Gedenkort zu schaffen. Inzwischen hat sich auch schon eine Gruppe auf nebenan.de gebildet um gemeinsam tätig zu werden und aus Trauer und Wut, Widersand entstehen zu lassen. Widerstand aus unserem Stadtteil gegen die Gewalt von Männern, aber auch gegen das Patriarchat das sie täglich neu schafft. Gegen den Kapitalismus, der Frauen in eine finanziell vom Partner abhängige Lage bringt. Widerstand gegen den deutschen Staat, der nicht ausreichend Frauenhausplätze schafft und sozialen Einrichtungen für Mädchen und Frauen das Geld kürzt.


Damit Folgen die Nachbar:innen im Fennpfuhl dem Vorbild von Friedrichsfelde, wo es im August 2024 ebenfalls einen Femizid gegeben hat. Dort wurde ein Nachbarschaftstreffen organisiert, Vernetzungsmöglichkeiten untereinander geschaffen und es wird aktuell um einen Gedenkort gekämpft. Alle gemeinsam teilen die Einsicht, dass nur wenn wir uns zusammenschließen und gemeinsam kämpfen wir etwas verändern können.

Werd‘ auch du aktiv! Schreib uns eine E-Mail an berlin@soli-net.de oder auf instagram: @solinetzberlin

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