Vor genau 75 Jahren, am 8. Mai 1945, verkündeten die Alliierten Mächte die bedingungslose Kapitulation des Dritten Reiches. Dieser Tag markierte nicht nur das Ende des von Deutschland ausgegangenen 2. Weltkrieges in Europa, sondern ebenso das Ende des deutschen Hitler-Faschismus.

Dieser ist verantwortlich für die menschenverachtende Diskriminierung, Verfolgung, Verschleppung und industrielle Ermordung unzähliger Menschen in Deutschland und den besetzten Ländern. Wer aus Gründen seiner Herkunft, Ethnie, Religionszugehörigkeit, sexueller Orientierung, Weltanschauung oder körperlicher Beeinträchtigung nicht in die Ideologie des Hitler-Regimes passte, musste mit dem Schlimmsten rechnen. Jedes einzelne Schicksal ist die Erinnerung daran, wie hasserfüllt der Faschismus ist. Parallel zur Verfolgung verschiedenster Minderheiten verfolgte der deutsche Faschismus auch die antikapitalistische ArbeiterInnenbewegung aufs Schärfste.

Auch im Jahr 2020, also 75 Jahre später, hat der Faschismus nicht an Aktualität verloren. Damals kamen sehr viele Nazis unbestraft davon und besetzten wichtige Ämter in Politik¹ und Wirtschaft – auch Jahrzehnte nach dem Faschismus. Rechte Terrorzellen wurden nie gänzlich aufgelöst. Sie wurden vom Staat geschützt, unterstützt und sogar aufgebaut. Sporadisch werden zwar Strukturen wie das Kreuz-Netzwerk aufgedeckt, allerdings sieht man anhand der Konsequenzen die der Staat daraufhin zieht, dass er nicht das Ziel verfolgt, diese Strukturen zu zerschlagen. Wir haben einen Staat, der rechte Strukturen in sein Vereinsregister aufnimmt (Uniter e.V.) und rechtsradikale Terrorakte immer wieder als Einzelfälle deklariert. Kassel, Halle, Hanau und Celle sind nur ein paar Beispiele dafür.

Für uns hat der 8. Mai eine große Bedeutung. Er ist zum einen ein der Tag des Sieges gegen den Faschismus und soll uns an den Kampfgeist unserer Klassengeschwister erinnern. Auf der anderen Seite ist er ein Tag, an dem wir den Opfern des Faschismus gedenken: Sowohl den Mutigen und Tapferen die im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben ließen, als auch allen anderen Opfern des Faschismus. Der 8. Mai soll uns jedes Jahr erneut an die Gräueltaten des Faschismus erinnern und uns ins Gedächtnis rufen, dem rechtem Gedankengut jeglichen Nährboden zu entziehen und den Faschismus weiterhin zu bekämpfen.

Wir kämpfen im Betrieb, in Universitäten, Schulen und im Viertel für eine Welt, in der die Menschen nicht in Nationen, Religionen und Geschlechter gespalten und gegeneinander ausgespielt werden. Für eine Welt, in der jede und jeder einen Platz findet. Eine Welt in der niemand Angst haben muss, diesen Platz aus ökonomischen, ökologischen oder sozialen Gründen zu verlieren. Für eine Welt, die nicht Wachstum und Konkurrenz als persönliches Leitbild sieht hat, sondern den Menschen an erster Stelle setzt.

Fest steht jedoch, dass sich jegliche antifaschistische Idee von einem humanen Miteinander in einer befreiten Gesellschaft langfristig im Kreis dreht, wenn nicht die soziale Frage thematisiert wird. An dieser Stelle soll daher auch an den Zusammenhang von Faschismus, Krieg und Wirtschaft erinnert werden. Zahlreiche Unternehmen haben ein großes Interesse am Krieg, finanzieren diesen mit und statten faschistische Staaten mit Waffen aus. All diese Unternehmen profitieren nicht nur ökonomisch von der faschistischen Kriegstreiberei, sondern auch politisch.

Lasst uns diesen Tag daher nutzen, um nicht nur zu gedenken, sondern um aus der Geschichte zu lernen und den Kampf für eine befreite Gesellschaft weiter voranzutreiben!

8. Mai – Tag der Befreiung!

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

¹https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren