Um etwaigen Unterstellungen seitens des Jobcenter Leipzig vorwegzunehmen, möchten wir an dieser Stelle erklären, warum wir einem Gesprächstermin mit dem Jobcenter Leipzig nicht zugestimmt haben.

In erster Linie haben wir bei unserer Arbeit auf den Straßen Leipzigs und bundesweit mitbekommen, dass häufig erwerbslose Menschen extrem finanzielle und psychische Belastungen haben. Wir wollten den Leuten helfen, konnten sie allerdings nur vertrösten oder an Sozialarbeiter:innen weiterleiten. Hintergrund ist, dass Proteste zu deren Lebenssituation häufig zu einer Verschärfung der Belastungen geführt hätten. Des Weiteren waren die Sanktionierungen der Menschen so akut Existenzgefährdend, dass wir keine Möglichkeit hatten den Leuten mit einer langfristig geplanten Kampagne unter die Arme zu greifen. An dieser Stelle konnten nur noch Anwälte und Sozialarbeiter:innen helfen.

Was bisher geschah:

Wir haben am Mittwoch den 25. Mai 2021, sieben Forderungen mit einem selbstformulierten Brief in den Briefkasten des Jobcenter Leipzigs geworfen. Hintergrund ist, dass das Jobcenter nach mehrmaligen Bitten, Drängen und Widersprüchen eine Bedarfsgemeinschaft letztendlich zu zwei Bedarfsgemeinschaften aufgeteilt hat, obwohl sich nicht an den Lebensumständen der drei Menschen verändert hat. Vom 28. Oktober 2020 bis Anfang März 2021 mussten zwei Erwachsene und ein Kind mit Geldern unter dem monatlichen Existenzminimum auskommen. Im März 2021 erkannte das Jobcenter Leipzig die Aufteilung von einer Bedarfsgemeinschaft auf zwei Bedarfsgemeinschaften an. Unsere Hauptforderung ist nun, dass das Jobcenter Leipzig eine Rückzahlung für die Monate Oktober 2020 – Februar 2021 veranlasst. Wir wollen demzufolge eine finanzielle Entschuldigung des Jobcenters.

Zwei Tage nach Einwerfen des Briefes meldete sich das Kundenreaktionsmanagement bei uns und forderte die Vollmachten der zu vertretenden Personen. So weit so gut, denn wir wollen die finazielle Entschädigung der Familie erreichen. Am darauffolgenden Montag, den 31. Mai, schlug uns die Presse/Marketingabteilung des Jobcenters vier Gesprächstermine zu arbeiter:innenunfreundlichen Zeiten vor. Ziel war es unsere Aktionen zum Thema #jobcenterunmöglich kurzfristig zu besprechen, um einen produktiven Austausch zu schaffen.

Wir wollen eine Sachbearbeitung – kein Ende unserer Kampagne!

Dieses Angebot können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht annehmen, da die Kampagne #jobcenterunmöglich nicht verhandelbar ist. Weil es eben nicht verhandelbar ist, dass Menschen jeden Tag am und unter dem Existenzminimum leben müssen. Weil es eben nicht verhandelbar ist, dass Menschen jeden Tag so intensiven psychischen Druck seitens des Jobcenters erleben, dass sie Angst vorm eigenen Briefkasten haben. Weil es eben nicht verhandelbar ist, dass Menschen jeden Tag immer mehr vereinsamen und kein solidarischen Austausch untereinander erleben können.
Darum stellen wir fest, dass wir gemeinsam gegen das Jobcenter und das Hartz-IV-System kämpfen müssen! Darum stellen wir fest, dass das #JobcenterUnmöglich ist!
Was wir zu diesem Zeitpunkt wollen, ist eine einfache Sachbearbeitung unseres Anliegens: die finanzielle Entschädigung der zwei Bedarfsgemeinschaften.