Heute haben wir gemeinsam mit rund 50 Menschen vor der Kölner Filiale von Walther König für Arbeiterrechte demonstriert. „Rücken krumm, Tasche leer, Walther König danke sehr!“ schallte es den Mitarbeitern und der Unternehmensleitung vor der Kölner Hauptfiliale entgegen. Organisiert wurde die Kundgebung von der FAU Köln. 

Gemeinsam werden wir das System Walther König bundesweit kippen! Weitere Infos zum Arbeitskampf bei #NotMyKönig findet ihr unter @notmykoenig.

Hier zudem ein ausführlicher Hintergrundartikel zum Arbeitskampf bei Walther König in München aus den Frontberichten der Aktion gegen Arbeitsunrecht:

Buchhandlung Walther König beutet Studenten mit illegalen Methoden aus

Nutzt die Buchhandlung Walther König GmbH & Co. KG studentische Beschäftigte aus, um sie für fehlende Umsätze während der Pandemie zahlen zu lassen? Dabei verstoßen Inhaber und Geschäftsführer Franz König und Udo Milz offen gegen geltendes Arbeitsrecht. Nun wehren sich die studentischen Beschäftigten der drei Münchener Filialen gemeinsam mit der Basisgewerkschaft FAU gegen diese Machenschaften.

Bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 und nun seit November 2020 zahlt die Buchhandlung den studentischen Beschäftigten, die den überwiegenden Großteil der Angestellten ausmachen, ihren Lohn nur unter der Voraussetzung aus, dass sie diesen ganz oder teilweise als Minusstunden auf den Stundenkonten anrechnen lassen. Das ist gesetzlich verboten.

Die studentischen Angestellten arbeiten mit einem Stundenlohn von 9,85 € für kaum mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Das Unternehmen stellt Werksstudenten bevorzugt ein, weil es für diese keine Beiträge für die Pflege-, Kranken und Arbeitslosenversicherung zahlen muss. Die Kette verweigert den Werkstudenten zudem den ihnen gesetzlich zustehenden bezahlten Urlaub. Dieser soll laut Walther König mit dem ausgezahlten Gehalt abgegolten sein, wie das bei aktuell 35 Cent über dem Mindestlohn möglich ist, darauf bleibt die Geschäftsführung eine Antwort schuldig. Im Falle einer Erkrankung wurden den Werkstudenten Minusstunden aufgeschrieben. Auch das verstößt gegen die gesetzlichen Regelungen.

Annullierung unrechtmäßiger Minusstunden gefordert

Am 8. Februar 2021 wendeten sich die studentischen Beschäftigten erstmals gemeinsam mit der FAU an die Geschäftsführung um ihre Rechte und ausstehenden Löhne einzufordern. Die Forderungen umfassen unter anderem die Umsetzung des gesetzlichen Anspruchs auf Urlaubstage und bezahlte Krankentage, sowie die Annullierung der unrechtmäßig aufgebauten Minusstunden, aufgrund der behördlichen Schließung der Buchhandlungen. Weiter fordern die Beschäftigten eine Erhöhung des Stundenlohns auf 11,- Euro, die Zahlung eines Feiertags-, Sonntags- und Nachtzuschlags, sowie die Verlängerung aller befristeten Verträge.

Auf die Forderungen folgte bereits einen Tag später die Kündigung aller studentisch Beschäftigten der drei Filialen. Die Geschäftsführung verweigert außerdem die Auszahlung der Februargehälter der studentischen Beschäftigten. Bereits zuvor ließ die Geschäftsführung die befristeten Arbeitsverträge von vier Beschäftigten auslaufen.

„Walther König baut die Liste seiner Rechtsbrüche weiter aus und versucht nun unter den Beschäftigten Existenzängste zu schüren. Das illegale Verhalten des Buchhändlers verschärft den Konflikt unnötig. Der Geschäftsführer von Walther König, Udo Milz, muss endlich an den Verhandlungstisch und seine Blockadehaltung aufgeben.“, erklärt Patrick Lohner, Sekretär der FAU München. Die Geschäftsführung weigert sich jedoch weiter vehement auch nur über die Situation der Beschäftigten zu sprechen, stattdessen schafft sie Tatsachen, welche die Existenz der studentischen Beschäftigten gefährdet.

Proteste vor Museums-Buchhandlungen?

Die FAU will mit den Beschäftigten zusammen jedoch nicht nur mit Kündigungsschutzklagen und Einklagen des ausstehenden Lohnes, sondern auch mit politischem Druck, gegen das Union Busting bei Walther König vorgehen. Dazu organisierte sie bereits am 10. März 2021 kleiner Aktionen vor den drei betroffenen Filialen. Am 23. März folgte dann eine öffentliche Kundgebung vor der Filiale im Münchener Lenbachhaus.

Auch in der Kunstwelt scheint es mittlerweile erste Stimmen des Protestes gegen Walther König zu geben. Walther König hat hier unter anderem seinen Ruf unter Künstlern und möglicherweise auch Vertragspartner zu verlieren, sollte die Auseinandersetzung sich länger hinziehen und weitere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen.

Die Buchhandlung Walther König GmbH & Co. KG und ihr angegliederter Verlag gehören zu den größten Buchhandlungen in Sachen Kunst, Kunstwissenschaft und Design. Das in Köln ansässige Unternehmen betreibt 45 Filialen, überwiegend in Deutschland, aber auch in Paris, London, Mailand, Wien und Brüssel. Die Filialen befinden sich meist in oder in direkter Nähe von Museen.

Quellen: