Wir als Solidaritätsnetzwerk sind tief bestürzt und müssen euch eine sehr traurige Mitteilung
machen: Leider ist unsere Freundin Manuela Hassler in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli
plötzlich und viel zu jung verstorben. Sie konnte ihre letzten Tage im Urlaub mit ihrem
erwachsenen Kind in Portugal verbringen.
Wir haben Manuela im Januar 2020 schon als herzliche und engagierte Aktivistin gegen
Altersarmut kennengelernt, die nie ein Blatt vor den Mund genommen hat. Als selbst
betroffene Rentnerin hatte Manuela damals über die Facebookgruppe "Fridays gegen
Altersarmut" Kontakt zu Mitstreiter:innen aus dem Raum Freiburg geknüpft und unter diesem
Label aus alleiniger Kraft eine Mahnwache organisiert. Die rechten Hetzer, die derzeit die
Bewegung der verarmten Rentner:innen vereinnahmen wollten, bissen bei ihr auf Granit. Ein
Artikel auf Perspektive Online überliefert, wie wir Manu damals zum ersten Mal begegneten
und sie uns beinahe von der Kundgebung geschmissen hätte, weil sie uns zuerst für AfDler
hielt.
In den nächsten Monaten lernten wir die gebürtige Malterdingenerin besser kennen. Sie
erzählte begeistert von ihrer großen Leidenschaft, den Mittelaltermärkten, auf denen sie
zuletzt als Korbflechterin aufgetreten war. Manu kümmerte sich um ihre eigene Mutter und
hatte selbst zwei erwachsene Kinder. Ihre geliebte Hündin Nara begleitete sie fast überall hin.
Manu war gelernte Floristin, aber konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Vollzeit
berufstätig sein. Wir erfuhren, dass sie zwar von Mindestrente und Nebenjobs leben musste,
aber auch Erbin eines Hauses war, das sie als Alleinerziehende in jahrelanger Handarbeit
komplett eigenständig renoviert hatte. Ob Fliesen legen oder Wände einziehen: Manu war
eine wahre Autodidaktin, die sich alles notwendige selbst beibrachte, um unabhängig zu sein.
Sie war immer dabei, etwas neues zu lernen, egal ob Pilze und Kräuter bestimmen oder
töpfern. Das hat ihr auch geholfen, sehr schwere Zeiten zu überstehen.
Denn obwohl Manu stets Fröhlichkeit und Energie in unsere Sitzungen brachte, war klar, dass
es ihr nicht immer gut ging. Die Offenheit, mit der sie über ihre psychischen Probleme und
Ängste sprach und der Kampfgeist, mit dem sie all ihre Schwächen bekämpfte und niemals
etwas unversucht ließ, sind zwei Eigenschaften, die uns an ihr besonders beeindrucken. Ihr
Drang dazu, immer Neues zu lernen, spiegelt sich auch in der Entwicklung ihrer politischen
Ansichten wieder. Von "Fridays gegen Altersarmut" wandte sich Manu bald ab und führte
ihren Kampf gegen Altersarmut zunächst unter einem anderen Namen weiter: WIR gegen
Altersarmut – Freiburg und Umgebung.
Gleichzeitig interessierte sie sich immer mehr für die Zusammenhänge zwischen
verschiedenen Problemen der Rentner:innen und Arbeiter:innen. Sie nahm an Vorträgen und
Seminaren teil, um besser zu verstehen, wie die kapitalistische und patriarchale Ausbeutung
und Unterdrückung, die sie aus ihrem eigenen Leben nur allzu gut kannte, überwunden
werden kann. Das Solidaritätsnetzwerk wurde im Laufe des letzten Jahres zu der
Organisation, mit der sich Manu identifizierte und mit der sie kämpfen wollte. Am Vorabend
des 1. Mai 2021 demonstrierte Manu in Freiburg für eine klassenlose und solidarische
Gesellschaft und hielt für das Solidaritätsnetzwerk eine Rede. Ihr erster eigener Artikel wurde
am 2. Juli auf Perspektive Online veröffentlicht. Zu schreiben fiel Manu nicht leicht, aber sie
biss sich durch, so wie sie gegen all ihre Schwächen ankämpfte.

Besonders deutlich wird ihr Mut in dem Video von ihrer allerersten Rede, die sie am 29. Mai
2020 hielt. Wir können sehen, wie Manu ihr Ängste überwand und sich bereitwillig durch
eine sehr belastende Situation kämpfte, um für ihre Überzeugung einzustehen. Unsere
Genossin Manuela hat sich ihren Ängsten nicht nur gestellt, sondern ist an der
Herausforderung gewachsen. Darum ist sie ein Vorbild für uns alle, egal wie alt wir sind und
wie viel Erfahrung wir schon bei der politischen Arbeit gesammelt haben. Tun wir es
Manuela nach und machen auch dann einen Schritt nach vorne, wenn wir Angst haben.
Lasst uns kämpfen wie Manu! (19. Februar 1969 – 6. Juli 2021)

Hier könnt ihr den Artikel über unsere erste Begegnung mit Manuela nachlesen:
https://perspektive-online.net/2020/01/fridays-gegen-altersarmut-und-gegen-rechte-
vereinnahmungen/
Hier könnt ihr ein Radiointerview mit Manuela hören, in dem sie das Anliegen der
Kundgebung vom 29.5. erklärt: https://rdl.de/beitrag/leere-zitronen-kann-man-nicht-weiter-
auspressen
Hier könnt ihr Manuelas ersten eigenen Artikel lesen: https://perspektive-
online.net/2021/07/die-debatte-um-die-rente-mit-68/