Das private Immobilienunternehmen „United Capital“ geht juristisch gegen die Studierendenzeitung „Luhze“ vor. In einem Artikel würden unwahre Behauptungen von betroffenen Mieter:innen wiedergegeben werden, welche geschwärzt werden sollen. Gegen das Vorgehen regte sich Widerstand. Mit Erfolg, denn kurz vor Prozessauftakt zog United Capital ihren Antrag zurück.

 

Kundgebung auf dem Simsonplatz

„United Capital“ ist ein privates Immobilienunternehmen, welches im mitteldeutschen Raum Wohnimmobilien ankauft und die gekauften Wohnungen nutzungsbezogen saniert und umbaut. Laut eigener Aussage steht der Mensch hierbei im Mittelpunkt aller Projekte. Das Unternehmen versucht, durch ein frisches, dynamisches und persönliches Auftreten Vertrauen zu schaffen und lädt auf ihrer Homepage zum gemeinsamen Kaffee trinken ein, um über mögliche Geschäfte zu sprechen. Es sind jedoch zunehmend die Stimmen betroffener Mieter:innen zu vernehmen und das Bild des menschenfreundlichen Jungunternehmens bröckelt massiv.

In der Dezemberausgabe der „Luhze“ erscheint schließlich ein Artikel, welcher sich mit beiden Seiten auseinandersetzt. Auf der einen Seite erhält Sven Schwarzat, Prokurist des Unternehmens, die Möglichkeit, das Zustandekommen der horrenden Mieten zu erklären. Denn für ein Studierendenzimmer verlangt United Capital zuweilen 18 Euro/qm, was deutlich über dem aktuellen Mietspiegel liegt. Er argumentiert unter anderem mit einer Teilmöblierung der frisch sanierten Wohnungen. Außerdem enthalte die Miete bereits alle Kosten, bis auf GEZ und Internet. Das Unternehmen möchte es Studierenden somit einfacher machen, in der neuen Wohnung anzukommen. Doch was mit den Mieter:innen passiert, die zuvor in den Wohnungen lebten – das ist Schwarzats Aussagen nicht zu entnehmen.

Die Mieter:innen selbst haben dazu jedoch so einiges zu sagen. Auch sie kommen in dem Artikel der Luhze zu Wort und berichten über systematische Schikanen und Verdrängung. Aus Angst vor weiteren Repressalien möchten die einzelnen Betroffenen anonym bleiben. Dass diese Sorge berechtigt ist, bestätigt die Reaktion von United Capital auf den Artikel. Denn sie gehen juristisch gegen diesen vor und reagieren mit einem Unterlassungsantrag, da die Behauptungen falsch seien und nicht weiter veröffentlicht werden sollen.

Doch getroffene Hunde bellen bekanntlich und das Unternehmen schnitt sich damit ins eigene Fleisch. Denn die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die Luhze sieht sich zurecht in ihrer Pressefreiheit angegriffen und reagiert mit einer Stellungnahme, in welcher sie ihren Artikel verteidigt.

Das Vorgehen von United Capital muss jedoch auch als Einschüchterungsversuch gegen diejenigen Mieter:innen gewertet werden, die sich gegen das Unternehmen vernetzen. Deshalb reagierten wir als Solidaritätsnetzwerk mit einer Kundgebung vor dem geplanten Prozessauftakt. Unser Ziel war es nicht nur, die Luhze und ihre Journalist:innen zu unterstützen. Wir wollten vor allem ein Signal an United Capital und alle betroffenen Mieter:innen senden: Die Machenschaften von United Capital bleiben nicht unkommentiert!

Dass der Prozess kurz vor Beginn schließlich abgesagt wurde ist ein großer Erfolg und ist all denen zu verdanken, die sich öffentlich gegen United Capital positioniert haben. Hier müssen wir anknüpfen und uns weiter organisieren. Denn United Capital ist nur ein Unternehmen von vielen, welches Profit mit unserer Miete macht.

Mieten und Wohnen ist und bleibt eine Klassenfrage. Deswegen vertreten wir auch den Standpunkt, dass wir alle betroffen sind, wenn auch nur eine:r von uns entmietet, verdrängt und schikaniert wird. Also müssen wir uns auch gemeinsam gegen diese Angriffe stellen und ihnen unsere Solidarität entgegensetzen!