Im Mai bemühten wir uns einer 6-köpfigen Familie in Leipzig-Altlindenau zu helfen. Hintergrund war eine anstehende Zwangsräumung. Zusammen mit anderen Akteur:innen versuchten wir kurzfristig sämtliche Hebel in Bewegung zu setzen: Eilantrag und Kreditaufnahme beim Jobcenter, Hilfegesuch bei einer Erwerbsloseninitiative und Notunterkunft, Gespräche mit der Hausverwaltung und deren Anwältin.

Am Ende verliefen fast alle Gespräche im Sande. Die Zwangsräumung konnte nicht verhindert werden, eine Blockade war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich und der Familie wurden zwei Notunterkünfte zugeteilt. Wir konnten an dieser Stelle nur noch eins machen: Das Hab und Gut der Familie vor den Behörden retten.

Im Klartext: Wir organisierten mit vielen anderen Helfenden vier Transporter und teilten am Vortag der Räumung den gesamten Haushalt aus fünf Zimmern, nebst Küche und Bad, auf. Am Räumungstag selber fand der Gerichtsvollzieher nichts mehr zum Pfänden für das Jobcenter.

Bei allen Bemühungen und bei allem Dank an die helfenden Hände bleibt eins festzustellen: Diese Zwangsräumung war nicht die erste und wird nicht die letzte sein, im Gegenteil. Wir rechnen mit einem massiven Anstieg. Inflation und Teuerungen treiben die Preise gerade so hoch, dass vor allem Sozialleistungsempfänger:innen an ihre Grenzen kommen. War es vor der Krise schon schwierig die Rechnungen zu bezahlen, so wird es jetzt unmöglich. Wir müssen lernen, das Kind beim Namen zu nennen: Uns steht eine Massenverarmung bevor und einige Teile unserer Klasse trifft es bereits jetzt!

Zwangsräumungen sind durch nichts zu legitimieren. Wenn die Profitinteressen von Vermieter:innen über der Würde des Menschen und das Recht auf Wohnen stehen, dann zeigt das deutlich die hässliche Fratze des kapitalistischen, menschenverachtenden Systems.

Wir werden es nicht schaffen, jede einzelne Zwangsräumung zu verhindern. Der Anspruch an unser politisches Handeln sollte vielmehr über individuelle Hilfestellung hinaus gehen. Deshalb müssen wir die Wurzel des Übels benennen und grundlegende Forderungen aufstellen, welche es organisiert zu verteidigen gilt:

  • Stopp aller anstehenden Zwangsräumungen!
  • Enteignung und Vergesellschaftung von Grund und Boden und damit auch von jedem Wohnraum!
  • Die Entscheidungsgewalt über Wohnraumverteilung in die Hände von Mieter:innenräte und damit in die Hände der Nachbarschaft!

Bekannterweise wird der kapitalistische Staat diese Forderungen nicht für uns umsetzen. Wir dürfen nicht auf das Handeln irgendwelcher Stellvertreter:innen hoffen, sondern müssen uns selbst organisiert gegen die Angriffe von oben verteidigen.

Gegen die Abwälzung der Kriegs- und Krisenkosten auf unseren Rücken!