#1MaiBleibt: Kämpferische 1.Mai-Aktionen in ganz Deutschland

Gemeinsame Mai-Auswertung von Frauen*kollektiv, Internationale Jugend, Solidaritätsnetzwerk und Studierenden Kollektiv
Mit Berichten aus Berlin, Cottbus, Erfurt, Freiburg, Köln, Leipzig, Rhein-Sieg-Kreis & Wuppertal

In ganz Deutschland haben heute Demonstrationen, Spontis, Kundgebungen, Fahrraddemos, Autokorsosos und viele kreative Aktionen zum internationalen Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter stattgefunden.

Gemeinsam hatten wir als ein Bündnis aus vier Organisationen dazu aufgerufen, sich aktiv am ersten Mai auch und gerade in Corona-Zeiten zu beteiligen. Wir dokumentieren hier die spannenden gemeinsamen Berichte aus den Städten, in denen wir aktiv wurden.

Berlin

In Berlin gab es vom Solidaritätsnetzwerk eine Kundgebung auf dem Mariannenplatz um 11 Uhr. Hier war die maximale Anzahl von 20 TeilnehmerInnen gegeben und zusätzlich wurden mehrere dutzend Zuschauerinnen angesprochen. Es wurden unsere 10 Forderungen sowie die Tradition des 1.Mais nach außen getragen. Alle PassantInnen haben sich die auf dem Boden geklebten Forderungen durchgelesen und es gab viel Zuspruch und Applaus für die Redebeiträge.

Danach partizipierte das Solidaritätsnetzwerk noch an einer Kundgebung von „Berliner Aktion gegen Arbeiterunrecht“ am Urbanhafen. Diese wurde aber nach kurzer Zeit und einigen Schikanen der Polizei aufgelöst.

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Cottbus

In Cottbus haben heute am 1. Mai rund 80 Personen an einer Kundgebung auf dem Stadthallenvorplatz teilgenommen. Als VeranstaltungsteilnehmerInnen zugelassen worden waren lediglich 20 Personen. Zumindest offiziell galten somit ¾ der TeilnehmerInnen lediglich als PassantInnen. Aufgerufen worden war unter dem Motto „Die Isolation durchbrechen! Heraus zum 1. Mai!“. An der Aktion beteiligten sich DKP, Frauen*kollektiv, Internationale Jugend, Linksjugend Lausitz, SDAJ, Kommunistischer Aufbau,Solidaritätsnetzwerk sowie zahlreiche Einzelpersonen.

Die Redebeiträge der verschiedenen Organisationen wurden dabei immer wieder von Arbeiterliedern wie „Auf, auf zum Kampf“ und dem „Solidaritätslied“ unterbrochen, die viele der TeilnehmerInnen auch aktiv mitsangen. Außerdem trug der Schauspieler Michael Becker verschiedene Gedichtpassagen von Bertolt Brecht vor. Die Rednerin des Frauen*kollektivs hielt die erste Rede der Kundgebung und rief zum Widerstand auf: „Diese heftig brodelnde Wirtschaftskrise, in der wir uns gerade befinden, mitsamt ihren Folgen für uns Arbeiterinnen ist keine Folge von Corona. Sie ist eine logische Folge des Kapitalismus. Diese Folge zu erkennen, uns zusammenzuschließen und gemeinsam widerständig zu werden gegen die Verursacher dieser Krise, gegen die herrschende klasse, gegen die alten, weißen Männer in ihren Luxusvillen – dafür ist der 1. Mai ein wichtiger Tag.“

In der Rede des Kommunistischen Aufbaus wurde der Sozialismus als Ausweg aus den kapitalistischen Krisen vorgeschlagen: „Wir sind der Meinung, dass der Kapitalismus abgewirtschaftet hat. Denn was hat er uns zu bieten? Kurzarbeit, Entlassung, Krise, Armut und Krieg! Aber der einzige Weg diese Auswüchse los zu werden, ist dieses System abzuschaffen und durch den Sozialismus zu ersetzen.“

Der Redner der Internationalen Jugend betonte den doppelten Maßstab bei der Bewertung des öffentlichen Lebens durch den Staat: „Es wird von uns erwartet, ohne Bedenken wieder zur Schule zu gehen, während wir es uns widerstandslos verbieten lassen sollen, unseren Protest nach außen zu tragen. Dabei kann unser Widerstand unter keinen Umständen warten!“

Mit der Kundgebung waren viele TeilnehmerInnen sehr zufrieden. Es war viel zu hören, das sei eine der besten Maikundgebungen der letzten Jahre gewesen. Paradoxerweise lässt sich also festhalten, dass Corona dem 1. Mai in Cottbus ganz gut getan hat, weil der Volksfestcharakter und das Würstchen-Grillen in den Hintergrund gerückt ist gegenüber einer kämpferischen und selbstbewussten Kundgebung.

Video: https://youtu.be/iiww3a8hGx4

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Erfurt

In Erfurt war das Solidaritätsnetzwerk heute ab 14 Uhr in kleinen Gruppen im Rieth unterwegs, um Plakate, Schilder und vieles mehr aufzuhängen. Auf diesen formulierten wir Forderungen, die wir ArbeiterInnen gerade jetzt in Zeiten der Krise stellen sollten!

Trotz Regen und auch der Aktivität der Faschisten wurden so das Rieth und angrenzende Stadtviertel mit unseren Positionen geschmückt und erhielten dafür immer wieder großen Zuspruch durch PassantInnen und es entstanden gute Gespräche! So wurde auch heute wieder klar: der erste Mai bleibt der Kampftag der ArbeiterInnen und wir lassen ihn uns nicht nehmen – weder durch Faschisten, noch durch die Beschränkung unserer Freiheitsrechte!

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Freiburg

Der 1.Mai begann damit, dass wir als Solidaritätsnetzwerk, Internationalen Jugend und Frauen*Kollektiv um 11 Uhr mit ca. 20 Personen im Seepark Schilder aufstellten, Transparente aufhängten, Plakate zu verklebten und vieles mehr. Unter anderem wurde ein 8 Meter langes Transparent vom Aussichtsturm abgerollt.

Dem Aufruf zum kreativen Protest folgten einige Personen, denn wir entdeckten auch weiteres Material, politisches Graffiti und sogar eine kleine Kundgebung im Park. Vereinzelt kam es zu Schikanen und Drohungen durch die Polizei. Um 14 Uhr schlossen wir uns der Kundgebung in der Innenstadt an, zu der sich ca. 1000 Menschen auf dem Platz der Alten Synagoge versammelt hatten. Im Laufe das Tages kam es noch zu mehreren Fahrraddemonstrationen.

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Köln

Der 1.Mai begann in Köln schon in den Tagen zuvor, als im Straßenbild an vielen Stellen rote Fahnen auftauchten – verbunden mit dem Aufruf selbst roten Stoff am 1. Mai herauszuhängen.

Den Protest haben wir dann am heutigen Kampftag auch direkt in den Stadtteil, nach Köln-Kalk getragen. Doch bei der Einschränkung der Demonstrationsfreiheit war Köln deutschlandweit ganz vorne mit dabei. Gerade einmal 20 Personen durften hier zu einer Kundgebung angemeldet werden – bei einem Mindestabstand von 3,5 Metern.

Dennoch versammelten sich insgesamt rund 50 Personen auf einem großen Platz um den Redebeiträgen von der Internationalen Jugend, dem Frauenkollektiv, dem Solidaritätsnetzwerk, einem LKW-Fahrer, der Pflanzstelle Kalk, der Bürgerinitiative Mehr Grün in Kalk sowie der Initiative Arbeitsunrecht zu lauschen. Im Fokus standen dabei die Abwälzung der Krisenlasten auf den Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter, sowie die besonderen Probleme von Frauen und Jugendlichen.

Die Kalker Kundgebung war Teil eines dezentralen Aktionstags, welcher unter dem Motto #UnteilbarSolidarisch stattfand und von über einem dutzend Initiativen getragen wurde. So gab es neben der unsrigen Kundgebung noch weitere in der Innenstadt oder in der Nähe des Maternus-Seniorenheim wo zuletzt viele Senioren verstarben. Sie kritisierten, dass die Pflegekräfte nur unzureichend mit Schutzausrüstung ausgerüstet seien.

Im Anschluss an die Kundgebung haben wir noch zahlreiche Transparente und Plakate im Stadtteil aufgehangen um den 1.Mai und unsere 10 Forderungen in der Corona- und Wirtschaftskrise weiter bekannt zu machen.

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Leipzig

In Leipzig war es am 1.Mai das oberste Ziel auf die Straßen zu gehen und zu laufen. Eine Kundgebung wurde unter Mitwirkung des Solidaritätsnetzwerks angemeldet, durfte jedoch maximal 25 Personen fassen. Diese Zahl wurde schon nach kürzester Zeit überschritten, sodass die Kundgebung von der Polizei nach 30 Minuten aufgelöst wurde. Daraufhin haben einige AktivistInnen zu politischen Spaziergängen hin zur anderen Kundgebung aufgerufen. Das führte dann sogar dazu, dass 600 Leute auf der Straße gelaufen sind und demonstriert haben. Ein großer Erfolg!

Auf der Kundgebung selbst kam es zu Redebeiträge gegen das Aufploppen der Verschwörungstheoretiker deutschlandweit, den Kämpfen der ArbeiterInnen um das Existenzminimum, der Perspektivlosigkeit der Flüchtlinge vor den europäischen Grenzen und die ArbeiterInneninterviews des Solidaritätsnetzwerks wurden über USB und Musik wiedergegeben.

Auf der Demo wurde die internationale Solidarität hochgelobt, weitere Parolen waren „brecht die Macht der Banken und Konzerne“ und „hinter dem Faschismus steht das Kapital“.

Mittlerweile will die Stadt rechtliche Schritte prüfen, aber sogar die Medien berichten von allen Aktionsformen an diesem Tag wohlwollend, denn auch sie, die MitarbeiterInnen der Öffentliche Rechtlichen sind von den Beschränkungen betroffen, wie uns hier berichtet wurde: https://facebook.com/SoliNetzLeipzig/photos/a.116661029946546/128777958734853

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Rhein-Sieg-Kreis

Im Rhein-Sieg-Kreis wurde der erste Mai in Sankt Augustin und Siegburg begangen. Da bei der Anmeldung der Kundgebung zum Aktionstag für Freiheitsrechte von Polizei und Versammlungsbehörde klargemacht wurde, dass sie uns keine weiteren Versammlungen genehmigen würden fand zwar keine Kundgebung oder Demo statt, trotzdem trugen wir unsere Forderungen und Farben in die Stadtteile.

Wir waren in Kleingruppen unterwegs, hingen mehrere dutzend rote Fahnen an Laternen und Schildern auf, verklebten Plakate mit unserern Forderungen, malten Parole mit Kreide auf die Straßen und wurden einige hundert unserer neuen Aufkleber mit der Parole „Die Krise nicht auf unserem Rücken austragen – make the rich pay!“ los.
Zum Abschluss des Tages machten ein paar von uns noch ein Foto mit einem Transparent mit der Aufschrift „soziale Kämpfe verbinden!“ und einer roten Rauchfackel.

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Wuppertal

In Wuppertal haben wir uns gemeinsam mit deutschen, türkischen und kurdischen Organisationen an einer 1.Mai Kundgebung mit rund 50 TeilnehmerInnen beteiligt. Die Aktion begann um 11 Uhr morgens im Engelsgarten im Stadtteil Elberfeld. Es gab zwei kleinere Infostände an denen man sich Material abholen und ansehen konnte.

Allen VeranstalterInnen und TeilnehmerInnen war es sehr wichtig, dass niemand durch die Aktion gesundheitlich gefährdet wird, daher war von vorne herein geplant wie sich die VersammlungsteilnehmerInnen aufstellen sollen. Mit Kreide wurde sorgfältig die Abstände markiert, so dass Personen immer mindestens 1 1/2 Meter von einander entfernt standen. Jede anwesende Person trug einen Mundschutz.

Während der Kundgebung wurden immer Mal wieder Lieder der ArbeiterInnenbewegung gesungen wie z. B. „Bella Ciao“ oder die „Internationale“. Mit den verschiedensten Reden machten die RednerInnen auf die unterschiedlichen Probleme wie bspw. steigende Kurzarbeit, steigende häusliche Gewalt, die Wirtschaftskrise so wie die Einschränkungen unserer Freiheitsrechte aufmerksam.

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