In Köln haben wir uns mit Genoss:innen vom Solidaritätsnetzwerk, Internationale Jugend und Frauenkollektiv zusammen mit Hunderten Menschen den internationalen Arbeiter:innenkampftag begannen. Da der DGB dieses Jahr auf eine Demo verzichtete, hatten kurzerhand mehrere Organisationen einen „Revolutionären 1. Mai“ auf der traditionellen Route angemeldet, an der wir uns ebenfalls beteiligten. Diese musste zuvor noch beim Oberverwaltungsgericht (OVG) durchgesetzt werden, da die Stadt Köln eine Demonstration verboten hatte, konnte dann aber unter strengen Auflagen durchgeklagt werden.
Schon zu Beginn zeigte die Polizei, wie sie sich gegenüber der Demo verhalten will: An der Auftaktkundgebung machte sie Probleme wegen blauer Fahnen der „Freien Deutschen Jugend“, die ihrer Meinung nach eine verbotene Fahne der 1951 kriminalisierten Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Deutschlands darstellen würde und nahm erste Personalien auf.
Darauf konnte die Demo mit einiger Verspätung starten, wobei die Polizei den Aufzug in 50er-Gruppen nach Auflage des OVG einteilte. In unserem Block von Solidaritätsnetzwerk, Internationale Jugend und Frauenkollektiv sammelten sich mehrere Dutzend Aktivist:innen, die gemeinsam rote Halstücher trugen. Viele Kölner:innen bekundeten durch Nicken, hochgestreckte Fäuste und Klatschen ihre Solidarität – auch aus der vorbeifahrenden Bahn heraus.
Kurz vor dem Heumarkt ging die Polizei dann erneut ohne einen ersichtlichen Grund gegen die Demonstration vor. Der und bekannte Vorwurf ist das Tragen einer Kapuze und Maske zur gleichen Zeit. Die Solidarität der der Demonstrant:innen wurde mit massiver Gewalt der Polizei und Festnahmen beantwortet. 
Alle solidarisierten sich mit den Festgenommenen mit Parolen wie „Du bist nicht allein!“ und „Wir sind nicht alle, es fehlen die Gefangenen!“. Erst nachdem die Gefangenen in einem Bus abtransportiert worden waren, bewegte sich die Demo dann an der Abschlusskundgebung des DGB entlang zum Alter Markt. Hier wurden nochmal letzte Reden gehalten.
Im Anschluss formierte sich dann eine Spontandemonstration hin zum Polizeipräsidium in Köln-Kalk wo die Gefangenen in Gewahrsam genommen worden waren. Obgleich viele schon seit mehreren Stunden demonstriert hatten, blieb die Demo kämpferisch und organisiert. Auf der Route wurden Passant:innen sowohl über unsere Forderungen zum 1. Mai als auch über die Polizeigewalt informiert.
Vor dem Polizeipräsidium hatten sich bereits weitere Unterstützer:innen eingefunden, sodass dann etwa 150 Menschen laut „Freiheit für alle politischen Gefangenen!“ forderten. Nach und nach wurden die in Gewahrsam genommenen dann freigelassen und konnten zum Teil zur Kundgebung dazustoßen, wo sie mit großem Applaus begrüßt wurden. Ein Betroffener sagte anschließend am offenen Mikrofon, dass genau diese Spontandemo der Ausdruck sei von dem was wir SOLIDARITÄT nennen. Im Nachhinein erfuhren wir zudem, dass die Kolleg:innen auf der Wache gezielt erniedrigt wurden, da sie sich ohne Grund nackt ausziehen mussten. Nach recht zügiger Freilassung aller Gefangenen machte die Polizei Druck, die Kundgebung schnell zu beenden. Das zeigt, dass wir unser Ziel erfüllt hatten, unsere Kolleg:innen so schnell wie möglich wieder unter uns haben zu können, da unsere Antirepressions-Aktion der Polizei ein Dorn im Auge war. Zum Abschluss sangen wir dann dennoch die „Internationale“ vor dem Präsidium.
Doch auch dann war der Tag noch nicht vorbei. Für 17 Uhr war noch eine Demonstration am Wiener Platz angekündigt, zu der trotz der vorherigen Polizeirepression noch ein Teil von uns aufbrach. Auch hier beteiligten sich erneut einige hundert Menschen an der Demonstration die Lautstark durch die Stadtteile Mühlheim, Buchforst und Kalk zog. In zahlreichen Reden und Parolen wurde die Übernahme der Krisenkosten durch das Kapital gefordert und eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter:innenklasse zu verbessern und letztendlich zu revolutionieren. Dabei kamen auch Menschen aus den verschiedensten Berufszweigen zu Wort und berichteten von der aktuellen Situation in ihrem Job. Mit dieser kraftvollen Demonstration konnte der Tag dann noch einmal selbstbestimmt und fast ohne Polizeibegleitung abgerundet werden.