[Köln] Auswertung der Kämpfe in der Stegerwaldsiedlung 2018

Auswertung einer Mitsrteiterin über die gemeinsamen Kämpfe des Solidaritätsnetzwerk in der Kölner Stegerwaldsiedlung im Jahr 2018:

„Was können wir tun gegen zu hohe Mieten?“ Unter diesem Titel lud das Solidaritätsnetzwerk Köln im März 2018 zu einer Diskussion ein. Eine Bekannte war mit ihren Enkeln in Köln-Kalk unterwegs und stieß auf die Einladung des Solidaritätsnetzwerks Köln.

Es war eine gute Entscheidung, dieser Einladung zu folgen.

Beim Soli-Netzwerk Köln lernte ich (65 Jahre alt) junge Leute kennen, die mir den Mut und die Energie gaben, in die Öffentlichkeit zu gehen und den Aufbau eines Mieterstammtisches zu starten. Immer wieder erstellen, drucken und verteilen sie Flugblätter mit Informationen und Einladungen und sind bei den Terminen dabei.

Die Bekannte und ich wohnen beide in der Stegerwaldsiedlung in Köln-Mülheim. Die Stegerwaldsiedlung wurde nach dem 2. Weltkrieg für Familien gebaut. Die Deutsche Wohnungsbaugesellschaft (Dewog) ist die Vermieterin und gehört der katholischen Kirche. Erklärtermaßen wurden seit 2010 „Sanierungsmaßnahmen getroffen (…), die einer Aufwertung der Gebäude dienen und eine differenzierte Sozialstruktur der Wohnbevölkerung fördern sollen“. Im Klartext: Die bisherigen Bewohner sollen durch hohe Mieten herausgedrängt werden und dafür zahlungskräftige Mieter einziehen, die das Wohnen in einer „SmartCityCologne“ in der Nähe der KölnMesse teuer bezahlen können.

Die Bauarbeiten wurden vielfach ohne Rücksicht auf das Eigentum und die Gesundheit der BewohnerInnen durchgeführt. Immer wieder gab es gravierende Mängel, auf die ich die Dewog hinwies, und weswegen ich die Mietzahlungen während der Bauarbeiten von 2014 bis 2017 kürzte. Im Februar 2017 erhielt ich die fristlose Kündigung. Gegen diese wehrte ich mich mit Hilfe des Mietervereins.

Vor dem Amtsgericht war ich noch allein mit meiner Anwältin, doch zum Termin vor dem Landgericht veranstaltete die Soli-Net-Gruppe eine kleine Demo mit Reden und Transparenten vor dem Gerichtsgebäude und kam anschließend mit in den Gerichtssaal, obwohl der Termin in ihrer Arbeitszeit lag.

Der Ärger und der Streß mit der Dewog und den Bauarbeiten sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Manchmal schleicht sich die Überlegung ein, still zu halten und alles zu dulden, wie viele andere es tun. Doch ich weiss, dass diese Haltung keine Lösung ist, sondern auf Dauer zu noch größeren Problemen führt.

Die Leute vom Solidaritätsnetzwerks Köln unterstützen nicht nur mich, sondern auch andere Mieter, die Probleme haben. Sie haben eine wichtige Aufgabe übernommen im Kampf gegen hohe Mieten und Verdrängung und widmen sich dieser mit großem Engagement.