Essen ist politisch – warum in Kreuzberg für den Erhalt von Aldi gekämpft wird

Am 30. März haben 300 AnwohnerInnen, darunter auch FreundInnen vom Solidaritätsnetzwerk Berlin, in Kreuzberg für den Erhalt einer Kiezmarkthalle demonstriert.
„Ich bin 56, lebe seit 40 Jahren in Kreuzberg, immer noch in der Geburtswohung meiner Eltern direkt neben der Markthalle. Ich bin Radikalfeminstin, seit vielen Jahren aktiv und demonstriere jetzt für Aldi – wie bekloppt ist denn das?“
Besser als in der rhethorischen Frage der Freundin kann man die Widersprüche, die der reale Kapitalismus durch die Aufwertung nicht nur in Kreuzberg hervorbringt, gar nicht auf den Punkt bringen.

Ja, wir brauchen ein wohnortnahe Grundversorgung, die sich alle AnwohnerInnen leisten können, darunter auch jene ca. 25% Hartz IV EmpfängerInnen, die noch nicht an den Stadtrand vertrieben werden konnten. Ja, und deswegen wollen wir den Discounter Aldi behalten, dem die Öko-Kapitalisten der Markthalle Neun gekündet haben. Sie wollen eine Food-Hall für Touristen und Subventionen vom Senat zur Förderung von gesundem Essen. Für ihre Freßevents verlangen sie teilweise bereits 5 Euro Eintritt. Ihr Konzept ist Teil eines Prozesses der Aufwertung des Stadtteils und beschleunigt gleichzeitg z.B. durch die steigenden Mieten in direkter Nachbarschaft wie durch die – vermutlich illegale – Zweckentfremdung als Büros von drei der vier Wohungen im Gebäude diesen Prozess der Verdrängung ärmerer KreuzbergerInnen.

300 Menschen aus dem Kiez – parallel zu einer zeitgleich stattfindenden Demo gegen die Verschärfung der Abschieberegeln mit mehreren tausend TeilnehmerInnen – sind Ausdruck einer wachsenden Unzufriedenheit mit dieser Entwicklung.
Wenn wir uns zusammenschließen, können wir unsere Interessen durchsetzen. Zwei Kämpfe im Kiez in jüngster Vergangenheit haben das – wieder einmal – gezeigt: Google musste nach monatelangen Protesten seine Pläne für einen „Google Campus“ aufgeben und der klammheimlich bewillgte Neubau einer Riesenhostels wurde von der grünen Bezirksregierung nach den ersten Protesten zurückgezogen.

Der große öffentliche Protest, über den auch das regionale Fernsehen (Berliner Abendschau) ausführlich berichtet hat, ist daher nur eine Zwischenetappe. Weitere Aktionen und fortlaufende Berichte über den Stand finden sich auf der website der Initiative unter https://kiezmarkthalle.noblogs.org